Unter dem Punkt "Chronik über Rast" können Sie nachlesen, wie sich Rast, einst durch eine Siedlung entstanden, zu einem lebenswerten Dorf entwickelte. Dies unterstreicht auch der 1. Platz, den unser Dorf 1999 beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" belegte.
Unser Dank gilt besonders Herrn Anton Binder, der uns die von ihm erstellte Chronik über Rast zur Verfügung stellte.
Die Geschichte von Rast
Der folgende Text wurde von Herrn Anton Binder anlässlich des Neujahrsempfang 2006 zusammengestellt. Er schildert die Entstehung und den Wandel von Rast seit der Besiedlung bis zum heutigen Tage.
950 Jahre Rast
Der Ortsteil Rast begeht im nun begonnenen Jahr sein 950. Jubiläum. Sicherlich ist die Gründung des Ortsteils Rast aber viel älter, vielleicht sogar doppelt so alt.
Nach neuesten Erkenntnissen wurden die Pfahlbauten in Uhldingen vor mindestens 3000 Jahren bewohnt und im 12. Jahrhundert vor Christus, also der späten Bronzezeit, war in Ennetach bei Mengen eine Siedlung angelegt, die der Überwachung der durch das Ablachtal führenden Handelsroute diente. Damit wäre bewiesen, dass unsere Gegend etwa 40 – 45 nach Christus durch die Römer erobert wurde.
Es ist klar zu erkennen, dass Rast an der alten Reichs-Heeresstraße Ulm – in Richtung Stockach Petershausen und Zürich lag und eine Ausruhe und Verpflegungsstätte der damaligen Zeit war.
Der Ortsname Rast
Die Entstehung des Ortsnamens dürfte daher eindeutig auf „rasten“, „ausruhen“, nach einer bestimmten Strecke, zurück zu führen sein. Diese einfache Deutung des Namens ist besonders einleuchtend, wenn man Rast in Verbindung mit einigen Nachbarorten sieht und sie weist zugleich darauf hin, dass die Namensgebung vor das Jahr 1000 zurückfällt.
Verbindungen zu benachbarten Ortschaften
Die fränkischen Könige jener Zeit hatten noch keine feste Residenz im heutigen Sinne. Sie bereisten mit großer Gefolgschaft das Land und verwalteten an Ort und Stelle. Sie hatten deshalb ihre Send- und Gaugrafen. Es ist urkundlich überliefert, dass der Karloliner Kaiser Karl der III, der „Dicke“ genannt, im Jahre 833 mehrere Male in Mindersdorf nächtigte und dort auch Urkunden unterzeichnete. Rast steht daher geschichtlich in Verbindung mit den Orten Mindersdorf, Sattelöse – an dem Ort, an dem den Pferden die Sättel gelöst worden sein sollen und Sentenhart, das wiederum eine Ableitung von Sankta hat. Dort wurde auch die Heilige Messe gelesen. Nach „Beyerle“ liegt die Vermutung nahe, dass dich hier im Drei länderspitz der Walder un d Walbertsweilerstraße (der heutigen Friedhofsfläche mit der Erweiterung gegen Osten, dies ist das Gewann Langenhaag), d er Tross sich absetzte und seine Pferde im sog. Langenhaag eingezäunt hatten. Auch wäre die Anhöhe als Aussicht und Benachrichtigungsort denkbar gewesen. Um diese Zei t war diese Gegend Königsgut, später kaiserlic hes Lehen an Kloster Reichenau mit der Auflage „freie Gastung für König und Gefolge“ zu gewähren. Der Kern des Dorfes dürfte um diese Zeit an der merkwürdig, ringförmigen Straßenführung gewesen sein.
Die Kirche St. Michael
Als Pfarrei ist Rast erstmals im Jahre 1142 erwähnt. Wann die Kirche erbaut wurde ist nur zu schätzen. Fachleute glauben, dass auf dem heutigen Platz um die 1. Jahrhundertwende eine Kirche stand. Jedenfalls ist sie mit dem Ort im Jahre 1056 als Basilika (Rundkirche) erwähnt. Die heutige Kirche ist dem heiligen St. Michael geweiht. St. Michael war ein Kirchenpatron in der frühen Kirchengeschichte.
Sie ist wohl im 17. Jahrhundert erbaut und 1951 durch Anbau erweitert worden. Oder wäre es sogar möglich, dass der Chorraum vorne die ursprüngliche Rundkirche aus jener Zeit ist?
Der Anbau 1951 wurde zu einem Großteil in Fronarbeit (freiwilliges unentgeltliches Arbeiten) ausgeführt. Ansonsten wäre es drei Jahre nach Einführung der DM unmöglich gewesen dies Projekt zu verwirklichen.
Der wuchtige Kirchturm wird nach KRAUS aus dem 13. Jahrhundert geschätzt. Er besitzt zu Verteidigungs- und Angriffszwecken, Schießscharten.
Von den drei Glocken die der Turm beherbergt, ist die große Glocke aus dem Jahre 1522 mit der schönen Minuskelschrift erwähnenswert. Die anderen beiden Glocken wurden 1953 wieder angeschafft, nachdem ihre Vorgängerinnen 1943 zu Kriegszwecken vom Turm geholt wurden.
St. Othmarsbruderschaft
In der Pfarrei besteht eine St. Othmarsbruderschaft, die bis 1490 zurückreicht und die einzige dieser Art in der Erzdiözese Freiburg ist. Sie wurde von Abt Martin von Petershausen im Jahre 1490 in Rast errichtet und soll als Bruderschaft dem Nächsten im Gebet und Werk dienen, gemäß dem Vorbild des Hl. Othmar, der Abt con St. Gallen war. Der Hl. Othmar lebte bis zu seinem Tode am 16. November 759, in Verbannung in Werd am Rhein.
Die Burg zu Rast
Die Zimmer`sche Chronik berichtet von einer Burg zu Rast, die ein Hans Wältin aus Zurzach 1469 an den Meßkircher Kaplan Heinrich Heckern verkaufte. Der Standort ist heute aber unbekannt. Ob jedoch zwischen dieser Burg und der Fallrotgasse (Fallen- oder Zugbrücke) sowie dem Hoföschle ein Zusammenhang besteht ist Vermutungssache.
In die weite Welt zerstreut, taucht der Familienname Rast heute noch mehrfach auf. So sind mir mindestens ein Dutzend Personen bekannt, die ihren Familienname Rast auf diese Nachkommen und unser Dorf ableiten.
Das Dorf Rast und seine Zugehörigkeit
Die Besitz- und Rechtsverhältnisse des Dorfes Rast wechselten im Laufe der Jahrhunderte häufig und rasch.
Um 1300 gab es zwar Eigentum aber überwiegend waren es Leib- und Schupflehen. Zur kurzen Darstellung der Abgaben und Leistungen die das Lehen eines Hofes als Beispiel erwähnt:
Der damalige Vogt Konrad Amann mit einer Fläche von 113 Juchart (ca. 40 ha) hatte dieses Lehen vom Kloster Wald und entrichtete folgende Abgaben: 5 Malter Veesen (Korn heute Dinkel), 4 Malter Roggen, 5 Malter Hafer, 1 Hahn, 12 Hühner, 240 Eier und den Transport von einem Wagen Wein von Allensbach nach Kloster Wald, 1 Leibhenne an Kloster Petershausen, Lieferung von 2 Karren Heu an die Pfarrei Rast, Abgabe von 20 Kreuzer Heugeld an die Mainau, Zahlung von 45 Kreuzer Bodenzins an die Franziskaner in Überlingen.
Der Vogt besaß das Leiblehen des Klosters Wald. Aber er oder ein Familienangehöriger war Leibeigener des Klosters Petershausen.
Rast gehörte mit der Gerichtsbarkeit und Steuerhoheit dem Kloster Petershausen an. Die Landeshoheit stand Hohenzollern Sigmaringen zu. Bei der Säkularisierung im Jahre 1803, fielen die Kirchen- und Ordensgüter überwiegend den Fürstenhäusern Baden und Hohenzollern zu. Daher besteht der heutige Grundbesitz des Markgrafen von Baden noch immer auf unserer Gemarkung. 1812 wurde Rast vom Hohenzollerischen Fürstenaus gegen Ablach an das Großherzogtum Baden ausgetauscht.
Das Wappen von Rast
Das Wappen der Gemeinde Rast war ein schwarzer Schwan im silbernen Grund und wurde 1895 als Gemeindewappen und Siegel übernommen. Es war früher das Wappen des Adelsgeschlechts von Rast.
Ältestes Buch
Das älteste in Rast verwahrte Buch, ist ein Urbarium (heute Grundbuch) aus dem Jahre 1763. Die eigentümliche Beschreibung eines Grundstückes war die Benennung der Angrenzer, nach dem Stand der Sonne. Beispiel: Das Grundstück gre n zt bei Sonnenaufgang an das Grundstü ck des Herrn Maier, um die Mittagszeit an Herrn Müller, bei Sonnenuntergang an Herrn X und um Mitternacht an Herrn Y. Eine weitere Eigentümlichkeit ist in einem Grundbuch die Benennung nach Hofnamen für jeden Grundstückseigentümer. Sie lauten z.B. der Franzose, der Engländer, der Russe, Italiener, Spanier usw. Zudem sind die Jahresrechnungen ab dem Jahre 1813 noch in gebundener Form vorhanden.
Weitere geschichtliche Daten
Einige weitere Daten nicht noch in Kurzform nennenswert:
Der Friedhof der ursprünglich um die Kirche angelegt war, wurde 1827 in das Dreieck der Walder- und Walbertsweilerstraße verlegt.
Das alte Schulhaus wurde um 1825/30 erbaut und 1880 umgebaut.
1906 fasste die Gemeinde den Beschluss, eine gemeindeeigene Wasserversorgung zu erbauen (den sog. Wolfsbrunnen). Sie wurde 1909 fertig gestellt.
1902 entschloss man sich den elektrischen Strom einzuführen.
Rast war noch nach dem 2. Weltkrieg ein vollkommen landwirtschaftlich geprägtes Dorf und hatte die verschiedensten bzw. alle notwendigen Handwerksberufe. Dass selbst Pfarrer und Lehrer Landwirtschaft betrieben ist ebenfalls nachweisbar.
Ab 1953 begann die Ansiedelung des Gewerbes. 1967 wurde der erste Bebauungsplan aufgestellt. Dies war für die Weiterentwicklung der Bevölkerung und der Ansiedlung von Arbeitsstätten eine wichtige Voraussetzung.
1964/65 wurde das neue Schulhaus erbaut.
1971 wurde auf dem Friedhof die Aussegnungshalle erstellt.
1 Preis beim Wettbewerb auf Kreisebene
Ein schönes Ereignis beehrte unser Dorf Rast 1999. In diesem Jahr nahm Rast beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ auf Kreisebene teil und konnte den 1 Preis in Empfang nehmen.
Allgemeines
Rast gehört zur Gesamtgemeinde Sauldorf, welche noch aus den weiteren Teilorten Sauldorf Bichtlingen, Krumbach, Boll u nd Bietingen besteht.
In Rast herrscht ein reges Vereinsleben. So gibt es beispielsweise den Musikverein Rast, die KLJB Rast, die AJAX, die Freiwillige Feuerwehr Rast und der Kirchenchor Rast-Bichtlingen.
Zum Schluss noch ein kleines Gedicht:
Meinen Geburtstag kennt man so genau noch nicht,
Doch tausend Jahre bin ich wohl alt.
Meine Taten rühmten kein Gedicht,
Doch ich schuf Kultur am Bach, in Flur und Wald.
An des Auenbaches halben Lauf ist mein Platz auf dieser Welt.
Hier baut’ ich meine Heimat auf,
Grüß’ Gott mein Rast und wem es hier gefällt.
Text: Anton Binder

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